Alt gegen Jung

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Alt gegen Jung – das taugt für unterhaltsame Spiele. Aber haben die Jungen wirklich gänzlich andere Vorstellungen vom Spielen als die Alten? Wir laden zum Generationen-Duell: Edwin Ruschitzka, 56, seit Jahren Spielerezensent für die SÜDWEST PRESSE, sowie Vincent, 15, und Henri, 14, Neuntklässler aus Weißenhorn.

Der Reiz
Mit Rommé bei der Oma hat sie angefangen, die Spieleleidenschaft des Edwin Ruschitzka. Später kam Skat mit Freunden dazu und Monopoly. „Wir hatten ja nicht viel mehr!“ Das hat sich grundlegend gewandelt, denn Spielen, besonders Brettspiele, zählen zu seinen liebsten Hobbys. „Es ist eine anspruchsvolle und gesellige Freizeitbeschäftigung“, sagt Ruschitzka. Ein neues Spiel zu entdecken, in die Welt einzutauchen, das bringt Spaß, „ist aber auch immer eine Herausforderung.“

Kartenspiele, Monopoly? Natürlich kennen Neuntklässler diese Spiele. Das Spiel mit den teuren Straßen, den Häusern oder Hotels ist aber bei ihnen nicht mehr aktuell. Höchstens daheim mit den kleinen Geschwistern. Karten sind schon eher Thema im Schulhof. „Gezockt wird in den Pausen an der Schule überall“, erzählt Vincent. Rommé und Skat stehen dabei allerdings nicht besonders hoch im Kurs. Eher Schafkopf, 66, Poker und Black Jack.

Vincent reizt vor allem die Abwechslung, die Computer-Spiele wie Minecraft oder League of Legends bieten. Immer wieder neue Varianten, nie Stillstand: „Da kann man mehrere Jahre spielen und es ist immer wieder etwas Neues.“ Brettspiele seien dagegen irgendwie immer das gleiche: „Trotzdem kann man auch sie immer wieder spielen und es macht Spaß.“

Die Gegner
„Spielen macht im Kreis mit guten Freunden am meisten Spaß“, sagt Ruschitzka. Von der jungen Fraktion ein zustimmendes Nicken. Es sei schön, mit Freunden zu spielen, doch persönlich anwesend müssen die Mitspieler nicht sein. Es bringe genauso viel Spaß, wenn die Gegner am eigenen Rechner sitzen. „Wenn man sich nicht verbinden kann, verliert ein Spiel schneller seinen Reiz“, sagt Vincent.

Apps gibt es natürlich auch von Brettspielen und damit kann Edwin Ruschitzka durchaus etwas anfangen. „Aber alles zu seiner Zeit“, meint er: „Spielen hat viel mit Emotionen zu tun und die gibt einem kein Computer der Welt. Zumindest noch nicht.“ Es sei völlig übertrieben, dass immer behauptet werde, Jugendliche schauten im Bus oder in der Bahn immer nur auf ihre Smartphones, um zu chatten oder zu zocken. Wenn sie das tun, „hat das mit Spielen nicht viel zu tun“.

Spiele am Smartphone seien nur „Zeitvertreib“, ein kleiner Happen zwischendurch, wenn man länger warten muss oder länger unterwegs ist. Was nichts daran ändere, dass auch 15-Jährige in Bus, Zug oder Straßenbahn miteinander reden – und zwar in ganzen Sätzen und durchaus ausdauernd. „Auch heute macht man noch Hausaufgaben im Schulbus. Da ist kein so großer Unterschied“, sagt Henri.

Die Niederlage
Gewinnen um jeden Preis, da schüttelt Vincent entschieden den Kopf. Zwar gibt es bei vielen Computer-Spielen Weltmeisterschaften, doch das sei nichts für ihn. „Da mach ich nicht mit. Mir geht’s rein um den Spaß.“ Wenn mal was nicht klappt, der andere besser ist – kein Problem.

Gewinnen um jeden Preis, das muss auch für Edwin Ruschitzka nicht sein: „Nur Letzter bin ich nicht gern. Da kann ich schon mal stinkig werden.“ Richtig sauer wird er, wenn ein Spieler einem anderen Tipps gibt, um den Dritten zu schlagen.

Mensch ärgere dich nicht – nur was für Omas und kleine Kinder?

„Falsch!“, sagt Ruschitzka. Überhaupt sei es überheblich, Spiele für kleine Kinder oder Senioren in irgendeiner Art abzuqualifizieren. So banal es klingt: Hauptsache, es macht Spaß! Das unterschreiben Henri und Vincent sofort –  tatsächlich spielen sie „Mensch ärger dich nicht“ mit den jüngeren Geschwistern und der Oma am liebsten.

Du sitzt mit Freunden auf einer Hütte, hast nichts dabei außer Würfeln, ein Kartenspiel, einen Block und Stifte. Was spielt ihr?

Kurzes Zögern beim Experten. Das erfordert ein wenig Nachdenken. „Wenn ich Glück habe, erinnere ich mich noch an die Regeln von Würfelspielen, die nicht mehr brauchen als eben die Würfel.“

Weiteres Nachdenken und die Bestätigung, dass es viele sehr gute Würfelspiele gibt. „Zum Beispiel ,Extrem!‘ vom verstorbenen Spielautor Sid Sackson bei Schmidt-Spiele“, empfiehlt Ruschitzka, um jedoch gleich das erste Hindernis selbst zu erkennen: Dafür braucht man einen besonderen Wertungsblock. „Vielleicht bleibt einem dann doch nichts anderes übrig, als irgendeine ,Kniffel‘-Variante zu spielen.“

Kniffel ist die erste Option bei Vincent, wobei Würfelspiele in größeren Gruppen „schnell langweilig werden“. Henris Option: „Scheiße!“ Spielregeln: „Ziel ist es, 100 Punkte zu erreichen. Derjenige, der dran ist, darf so oft würfeln, wie er will. Hat er eine 1, hat er in der aktuellen Runde null Punkte, fällt zweimal die 1, ist es doppelt scheiße und das Konto geht auf Null.“

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Texte, Videos: Caroline Strang, Thomas Block, Dorothea Nitzsche, Ute Gallbronner
Grafik: Christopher Gram
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