Mikrokosmos Karlsplatz (Muell)

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Mikrokosmos Karlsplatz

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ls er die alte Frau sieht, lächelt Mert Bilgic. „Sie kommt jeden Tag“, sagt er und nickt ihr zu. Die Alte steht da, gebückt und mit Kopftuch und einer Plastiktüte in der Hand.

Sie brabbelt vor sich hin, leise, in einer Mischung aus türkisch und kroatisch, aber Bilgic versteht sie trotzdem. Er greift in seinen Wagen und gibt der Frau zwei leere Bierflaschen. „Die kann sie abgeben und bekommt Geld“, sagt er und nickt zum Getränkemarkt am anderen Ende des Platzes. Sie lächelt zahnlos und geht kleinen Schrittes davon. Zwei Mal am Tag, Montag bis Freitag, kommt Bilgic her. Er ist Angestellter der Ulmer Entsorgungsbetriebe (EBU) und zuständig für die Reinigung des Karlsplatzes und des Alten Friedhofs ein Stück weiter östlich. Zwischen den Parks pendelt er und dreht seine Runden. Er fährt keinen Müllwagen und hat auch keine Kollegen mit auf Tour. Sein Arbeitsgerät ist ein Metallkarren mit Griff zum Schieben oder Ziehen, ein Greifer und Handschuhe. Seit 12 Jahren ist sein Gebiet der Karlsplatz. „Ich mag meinen Job.“

Insgesamt mehr Spritzen

Es sei mehr geworden in den letzten Monaten, meint er. Mehr Müll. Mehr Leute. „Aber das ist normal, es ist Sommer.“ Auch gebrauchte Fixer-Spritzen finde er jetzt häufiger, manchmal fünf, manchmal fünfzehn am Tag. Die lagert er dann separat, in einer leeren Flasche zum Beispiel. „Damit sich die Kollegen nicht verletzten, wenn sie die Säcke einladen.“ Vier bis fünf Müllbeutel pro Tag, etwa 300 Liter Müll sammelt Bilgic alleine auf dem Karlsplatz. Er fischt Dosen aus dem Wasser, leert Körbe, sammelt Papier. Die vollen Säcke stellt er an eine Laterne am östlichen Ausgang, die seine EBU-Kollegen dann mit einem Transporter abholen. „Meistens stellen Leute auch noch was dazu“, sagt er. Plastiktüten, Toaster, Sperrmüll.


Illegal entsorgter Hausmüll ist auf dem Karlsplatz seit jeher ein Thema. Ende der 90er sagte der damalige Leiter des Grünflächenamtes Peter Laipple: „Der Karlsplatz ist von den Ulmer Grünflächen am stärksten mit Müll belastet.“ Schon damals wurden die öffentlichen Müllkörbe täglich geleert und der Spielplatz nach Scherben abgesucht. Am meisten Arbeit machte aber der so genannte „wilde Müll“, Abfälle aus Privathaushalten, die in die Körbe gestopft oder in die Büsche geworfen wurden.

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Müll war schon vor 30 Jahren ein Problem auf dem Karlsplatz. Anwohner entsorgten damals ihren Unrat in den Drahtkörben, die „Penner“ wurden zu Unrecht verdächtigt.

Inzwischen haben die Donauwiese und die Friedrichsau dem Karlsplatz in Sachen Müll den Rang abgelaufen, sagt Wendelin Huber, Sachgebietsleiter der EBU. „Aber es gibt trotzdem noch genug zu tun.“

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© 2014 SÜDWEST PRESSE

Impressum

Getextet, fotografiert und gefilmt haben Absolventen des „Aicher-Scholl-Kollegs“ in Ulm. „Mikrokosmos Karlsplatz“ war das Abschlussprojekt im Fach „Journalistik“.

Absolventen:
Anouk Fumy | Dominik Dürr | Vinzenz Bald
Jonas Dettler | Nathalie Pätzka | Julia Reinhard
Franziska Meindl | Malte Opderbeck
Georgia Braun | Fabian Wenke

Leitende Redaktion:
Dana Hoffmann (v.i.S.d.P)

Redaktionelle Mitarbeit:
Manuel Bogner

Design:
Christopher Gram

Produktion:
Christopher Gram

Audio:
Dana Hoffmann
Christopher Gram

Grafik:
Christopher Gram

Programmierung:
Artjom Simon
Annick Schönberger

Interaktion:
Christopher Gram

Besonderer Dank an:
Jonathan Besler

Diese Arbeit entstand im Zuge der Bachelorthesis von Christopher Gram an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg im Fach Mediendesign.
Betreuende Dozenten:
Prof. Klaus Birk | Martin Hesselmeier | Thomas Sali | Alexander Hanowski

DHBW

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