In Zukunft Bauer

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Alb im Wandel

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Landwirte haben heute einen schweren Stand. In den vergangenen Jahrzehnten mussten immer mehr – vor allem kleine und mittlere – Betriebe aufgeben.

Manuel Morlok sieht dennoch eine Zukunft als Bauer: Als fünfte Generation will er einmal den heimischen Hof in Berneck bei Deggingen im Landkreis Göppingen weiterführen. „Als Landwirt hat man vielseitige Tätigkeiten“, sagt der 18-Jährige. Sein Vater Rolf ist dankbar, dass Manuel die Nachfolge sichert.

Eine neue Generation

Der Milchstrahl prasselt auf den Betonboden. Manuel Morlok zieht an den Zitzen, die er zuvor mit einem Tuch abgewischt und desinfiziert hat. Dann dockt er den Apparat an das Euter der Kuh an. Der Melkroboter nimmt dem 18-Jährigen ein paar Minuten lang die Arbeit ab.

Die Abläufe auf dem heimischen Hof in Berneck bei Deggingen kennt Manuel von klein auf. In einem Jahr, wenn er seine Ausbildung zum Landwirt abgeschlossen hat, will Manuel in den Milchvieh-Betrieb seines Vaters einsteigen. In Stall und Melkstand und auf dem Feld packt der junge Mann seit vielen Jahren mit an: „Ich wusste schon immer, dass ich nach der Schule diese Lehre mache“, erzählt er. Seine beiden Schwestern hätten nie daran Interesse gehabt, den Betrieb einmal selbst weiterzuführen.

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Video – Beruf: Landwirt

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Dass er morgens um halb sieben im Stall die Kühe melken muss und abends nicht vor halb acht Feierabend hat, stört Manuel nicht. Für Hobbys wie seine Mitgliedschaft bei der Feuerwehr müsse man sich eben Zeit nehmen, sagt der Lehrling.

Im zweiten und dritten Lehrjahr der landwirtschaftlichen Ausbildung arbeitet Manuel in anderen Betrieben mit, die sich auch auf Milchviehhaltung spezialisiert haben. Dort absolviert er den praktischen Teil, nachdem im ersten Lehrjahr Boden, Pflanzen und Tiere in Theorie auf dem Plan standen. „Wenn man unterschiedliche Betriebe kennenlernt, bekommt man viel mit“, sagt der 18-Jährige.

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Das Urgebäude auf dem Anwesen von Familie Morlok wurde im Jahr 1950 erbaut. Manuels Ururopa Karl Wilhelm (Bildmitte mit Hut) war die erste Generation auf dem Hof. Die Morloks nutzen das Gebäude noch heute.

Foto: Familie Morlok

Bei manchen Arbeiten, wie Spritzen oder Düngen auf dem Acker, schaut der 18-Jährige erst noch seinem Vater Rolf über die Schulter. „Das sind Dinge, die kann man nicht in ein, zwei Jahren lernen. Da muss man Erfahrung sammeln“, sagt der Jungbauer. Sein Vater ist ein Vorbild für ihn, weil er ihm „aus allen Bereichen etwas zeigen und erklären kann“.

Auf dem Hof in Berneck ist Rolf Morlok der Chef. Rund 80 Milchkühe besitzt der Landwirt und weitere 80 Jungtiere. Der 52-Jährige hat den Betrieb vor 21 Jahren von seinem Vater übernommen. Zusammen mit seiner Frau Marion schultert Rolf Morlok die Arbeit im Stall und auf den Feldern. Das ist aber noch lange nicht alles: „Ich bin Viehhalter, Tierarzt, Maschinist und Buchhalter zugleich“, sagt Morlok.

Mein Vater ist ein Vorbild für mich. Manuel Morlok

Dass er viele Maschinen nicht mehr von Hand, sondern mit dem Computer bedienen muss, ist für den 52-Jährigen eine der großen Herausforderungen.

Zudem hat der Seniorchef die Finanzen fest im Blick: „Was die Zukunft bringt, stimmt mich nicht gerade euphorisch“, bekennt Morlok, „wir kämpfen jeden Tag“.

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Video – Die nächste Generation

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Mit dem Kampf, sich mit Landwirtschaft über Wasser zu halten, steht Rolf Morlok nicht alleine da: In den vergangenen Jahrzehnten haben immer mehr Landwirtschaftsbetriebe aufgegeben. Seit 1979 ist die Zahl der Betriebe in Baden-Württemberg um fast zwei Drittel geschrumpft.

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Grafik – Kleinere Betriebe werden weniger

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Vor allem kleine und mittelgroße Betriebe trifft der Strukturwandel schwer: Wer sich auf dem Weltmarkt behaupten will, muss wachsen, um günstiger produzieren zu können – mehr Tiere, größere Flächen. Nur wer 50 oder mehr Hektar Fläche bewirtschaften kann, setzt sich dem Statistischen Landesamt Baden-Württemberg zufolge langfristig durch. Von solchen Betrieben gibt es heute im Vergleich zu 1979 mehr als fünfmal so viele. Die durchschnittliche Betriebsgröße in Baden-Württemberg hat sich in der Folge von rund elf auf knapp 32 Hektar fast verdreifacht.

Der Hof: Mehr Hektar bedeuten mehr Geld

Laut dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft fördert die EU die Agrarwirtschaft mit rund 6,3 Milliarden Euro im Jahr. Direktzahlungen an Landwirte hängen dabei von der Flächengröße ab: Wer mehr Hektar bewirtschaftet, bekommt auch mehr Geld. Hinzu kommen Programme, die eine nachhaltige und umweltschonende Bewirtschaftung fördern und zusätzliche finanzielle Anreize für junge Landwirte. Seit 2014 will die EU auch kleinere und mittlere Betriebe mit Subventionen mehr stärken. Im Schnitt machen die Direktzahlungen 40 Prozent dessen aus, was ein Landwirt verdient.

Es war klar: Wir müssen wachsen. Rolf Morlok

Rolf Morlok hat investiert, um die Leistung seines Betriebs zu steigern: Vor 15 Jahren kam zum Stall eine Liegehalle dazu. Dort sind die Kühe nicht angebunden, sondern können frei herumlaufen. Dazu kam der Melkroboter, der in einer Stunde 70 Kühen gleichzeitig Milch abzapft. „Es war klar: Wir müssen wachsen, wir müssen einen Schritt machen“, sagt der Milchviehhalter.
Im ersten Halbjahr 2016 fiel der Milchpreis wieder stetig. Um mit Milch Gewinn zu machen, sind Landwirte deshalb auf immer mehr Tiere und effiziente Produktion angewiesen.

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Grafik – Der Verfall des Milchpreises

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Im Juni dieses Jahres war der Liter Milch mit rund 24 Cent über zehn Cent billiger als vor fünf Jahren. Seit der Abschaffung der Milchquote im März 2015 überlässt es die EU den Landwirten selbst, wie viel Milch sie produzieren, was zu einem Überschuss auf dem Markt und damit sinkendem Preis führt. Durch Russland-Embargo und sinkende Nachfrage für Milchpulver in China sind zudem bedeutende Exportmärkte von Milch, Fleisch und anderen Agrarprodukten weggebrochen.

Rolf Morlok will nicht auf der Strecke bleiben: „Ich habe heute mehr als dreimal so viele Kühe wie 1995“, sagt der 52-Jährige. Mit seinen 80 Milchkühen liegt er heute deutlich über dem Durchschnitt von 35 Kühen pro Halter im Landkreis Göppingen (Stand 2014).

Seit der Erweiterung vor 15 Jahren hat die Bauernfamilie jedoch keine größere Anschaffung mehr getätigt: „So eine Geschichte muss auch bezahlt werden“, erklärt der Hofbesitzer. Außerdem ist er derzeit gut ausgelastet: „Ich will mir nicht noch mehr Arbeit aufbürden.“

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Video – Was bringt die Zukunft?

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Wenn Sohn Manuel nach seiner Ausbildung mit in den Betrieb einsteigt, wollen die Morloks den nächsten Schritt wagen. „Man muss den Karren am Laufen halten“, sagt Manuel. Dann teilen sich Vater und Sohn die Verantwortung für den Hof genauso wie ihre Sorgen und Hoffnungen.

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Text und Konzeption:
Isabelle Jahn
Fotos und Videos: Isabelle Jahn/Markus Sontheimer

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