Von Ost nach West und umgekehrt

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25 Jahre Mauerfall

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Vier Reporter, zwei Autos, ein Ziel:
der ehemalige Grenzübergang Marienborn. Wie Andreas Clasen, Ronny Fonfara, Michael Gabel und Christine Liebhardt ihre viertägige Tour durch Deutschland erlebt haben, das beschreiben sie hier.

Andreas

Christine Liebhardt

Andreas Clasen, Politik-Redakteur bei der SÜDWEST PRESSE
„Berlin, Hamburg, Leipzig, Hannover – vier Groß­städte, und sie sind alle keine 200 Kilo­meter weit entfernt von Magdeburg. Was für eine super Lage. Es war ein Schaubild auf dem Flyer des „Sudenburger Hofs“ zur Lage der Landeshauptstadt Sachen-Anhalts, das mir auf der Reise kurz und bündig vor Augen führte, wie wenig ich doch noch von Ostdeutschland weiß. Vor der Tour konnte ich erzählen, wie die Gruppe Ulbricht mit die Weichen für die Gründung der DDR stellte, wie das jüngste Gruppenmitglied Wolfgang Leonhard vom eigenen deutschen sozialistischen Weg träumte und bitterlich enttäuscht wurde, wie manche jener Menschen, die im Herbst 1989 in der DDR auf die Straße gingen. Mir scheint, mit diesem beschränkten Wissen stehe ich „Wessi“ nicht alleine da. In Westdeutschland wissen 25 Jahre nach dem Mauerfall viele, was im Osten vor der Einheit schief lief, aber nur wenige etwas darüber, wie – mit Ausnahme Berlins – die Städte, die Landschaften dort aussehen, wie die Menschen ticken, was dort seit der Einheit aufgebaut wurde, was für kulturelle Schätze, wie der Magdeburger Dom zum Beispiel, dort zu sehen sind. Das ist schade. Aber zum Glück kann man es ändern.“

Ronny

Ronny Fonfara, freier Kamera­mann und Produ­zent
„Als Kameramann habe ich bereits viel gesehen und erlebt. Der Grenzübergang Marienborn war daher für mich weder ein besonders schönes noch ein besonders bedeutendes Motiv. Mich jungen Menschen verband nichts mit diesem Ort. Erst im Laufe des Tages wurde mir bewusst, wie die Leben vieler Menschen dort nachhaltig verändert wurden. Viele Beispiele während der Führung, aber auch durch Besucher der Gedenkstätte machten mir klar, dass dieser Ort nicht nur ein deutsch-deutscher Grenzübergang war. Hier galt das Sprichwort: So nah und doch so fern. Denn eine Einreise aus der Bundesrepublik in die DDR war nur unter hohen Auflagen möglich. Eine Ausreise war noch aussichtsloser. Die systematische Kontrolle war für die Reisenden eine psychische Tortur. Jeder stand praktisch unter Verdacht, ein Schmuggler oder Staatsflüchtling zu sein. Und nicht selten wurden hier Schicksale entschieden. So habe ich die DDR noch nie gesehen. Wie auch, wenn man sie nur aus dem Geschichtsunterricht und dem Fernsehen kennt. Ich bin dankbar, dass ich hier sein durfte.“

Michael

Michael Gabel, Politik-Redakteur bei der MOZ
„Mir hat imponiert, wie sehr man sich im nieder­säch­sisch-nie­der­län­dischen Grenz­gebiet bemüht, miteinander und nicht neben­einander her zu leben. Dass dort an vielen deutschen Schulen die Sprache des Nachbarlands als zweite Fremdsprache angeboten wird, wünsche ich mir auch mehr für die deutsch-polnische Grenzregion.“

Christine

Christine Liebhardt, Multimedia-Redakteurin bei der SÜDWEST PRESSE
„Zu wissen, dass es vor gar nicht langer Zeit eine Mauer gab, die Deutschland in eine BRD und eine DDR geteilt hat, ist eine Sache. Mit Menschen darüber zu reden, was ihnen diese Teilung und ihr Ende bedeutet hat, ist eine ganz andere. Klar war mir bewusst, welches Unrecht den Menschen in der DDR widerfahren ist – etwas, was ich nie werde nachvollziehen können, weil ich es nicht selbst erlebt habe. Die Geschichten der Menschen aber, mit denen wir gesprochen haben, haben mich berührt, nachdenklich gemacht, verändert. „Das war das Schönste, was uns passieren konnte“ – diesen Satz haben wir immer wieder gehört. Aus den vielen Begegnungen ist ein Verständnis entstanden, für das, was den Menschen angetan wurde, dafür, wie viel der Fall der Mauer wirklich bedeutet hat, für jeden Einzelnen – und das ist etwas, was Museen, Denkmäler oder Geschichtsbücher nur selten schaffen. Dafür bin ich dankbar. Und noch eines hat diese Recherche in mir ausgelöst: Ziemlich große Lust, all die Städte im Osten zu entdecken, die nicht Berlin sind.“

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Idee und Koordination: Andreas Clasen
Redaktion: Andreas Clasen, Ronny Fonfara, Michael Gabel, Christine Liebhardt
Grafik: Christopher Gram
Technische Umsetzung: Artjom Simon, Annick Schönberger

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