Die Schweiz – Land der Entdecker und Abenteurer

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Die Schweiz - Land der Entdecker und Abenteurer

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Mächtige Gipfel, die scheinbar endlos bis in den Horizont reichen und unüberwindbar scheinen – kein Wunder, war und ist die Schweiz das Land der Abenteurer und Entdecker, früher wie heute. Die ersten Aufstiege auf die 4000er Gipfel oder die ersten Bahnfahrten über Abgründe und Schluchten waren sicherlich besondere Abenteuer. Aber auch heute gibt es in der Schweiz noch viel zu entdecken und zu erleben.

Im 17. Jahrhundert wagten sich die ersten Fremden in die Schweiz. Vornehmlich Handelsreisende und Pilger, aber auch mutige Naturforscher wollten den “Schweizer Merkwürdigkeiten” auf die Spur gehen: Berge, Schluchten, Wasserfälle, Seen und Gletscher auf so engem Raum faszinierten die frühen Besucher. Als Nächstes kamen im 18. und 19. Jahrhundert junge Adlige vor allem aus England, die eine Reise durch Europa zum Abschluss ihrer Ausbildung machten. Die Berge übten auch auf die jungen Herren eine besondere Faszination aus.

Schnell folgten bekannte Persönlichkeiten aus der damaligen Zeit, wie zum Beispiel Sir Arthur Conan Doyle, der geistige Vater von Sherlock Holmes Er wollte die sagenumwobenen Schönheiten des Landes mit eigenen Augen sehen. Wie viele andere auch, ließ er sich von der kraftvollen Schweizer Naturschönheit inspirieren. So findet das vermeintliche Finale des Kampfes Moriarty gegen Sherlock Holmes an den Reichenbachfällen bei der Gemeinde Meiringen im Kanton Bern statt. Noch heute steht dort eine Tafel, die an den fiktiven Kampf erinnert, natürlich ist dies ein beliebter Treffpunkt für Sherlock-Holmes-Fans aus der ganzen Welt.

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Frankenstein- die Idee dazu wurde am Genfer See geboren.

Aber nicht nur Detektivgeschichten, auch Gruselgeschichten entstanden in der Schweiz – genauer gesagt, am Genfer See. Es handelt sich um Mary Shelleys Frankenstein. Mary kam nach einer Flucht vor ihren Eltern an den Genfer See und fand in der Villa des Dichters Lord Byron Zuflucht. Da das Wetter damals wohl mehr als scheußlich war, vetrieben sie sich die langen regnerischen Tage, indem sie sich gegenseitig deutsche Geister- und Gespenstergeschichten vorlasen.

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Mary Shelley, sie erschuf Frankenstein

Dabei diskutierten sie auch die wissenschaftlichen Experimente mit Elektrizität, die der Urgroßvater des Evolutionstheoretikers Charles Darwin, Erasmus Darwin, durchführte. Erasmus Darwin glaubte, mittels der Galvanisation auch tote Objekte ins Leben rufen zu können. Vom gruseligen Moment inspiriert, kamen sie überein, eine Horrorgeschichte zu schreiben. Mary schrieb einen langen Roman, aus dem ein Mythos wurde. 1817 stellte sie ihr Manuskript fertig, die Publikation ein Jahr später wurde sofort zum Erfolg.

Gipfeltreffen -Bezwinger der Berge

Nach 1800 begannen wagemutige Alpinisten die Schweizer Bergriesen zu bezwingen. Mit der Erstbesteigung der Jungfrau 1811 und des Faulhorns 1812 setzte die lange Reihe der Gipfelstürme ein, die 1865 mit der dramatischen Besteigung des Matterhorns einen ersten Höhepunkt fand.

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Das Matterhorn

Das Matterhorn galt lange als nicht besteigbar. Vor ziemlich genau 150 Jahren, am 14. Juli 1865, gelang es dem Briten Edward Whymper, zusammen mit Bergführern und Weggefährten, den Gipfel zu erreichen. Allerdings kamen von den sieben Abenteurern nur drei wieder vom Berg herunter. Edward Whymper erreichte als Erster den Gipfel. Ihm folgten der Bergführer Michel Croz aus Chamonix, Reverend Charles Hudson, Lord Francis Douglas, Douglas Robert Hadow sowie die Zermatter Bergführer Peter Taugwalder Vater und Peter Taugwalder Sohn. Beim Abstieg der Erstbesteiger stürzten die vorderen vier der Seilschaft (Croz, Hadow, Hudson und Douglas) noch oberhalb der “Schulter” über die Nordwand tödlich ab. Drei der Toten wurden einige Tage später auf dem Matterhorngletscher geborgen, die Leiche von Lord Francis Douglas wurde nie gefunden. Aufgrund des Todes von Lord Francis Douglas wollte die damalige britische Königin, Queen Victoria, ein Verbot erlassen. Sie sagte, sie wolle nicht mehr, dass wertvolles englisches Adelsblut am Matterhorn vergeudet werde. Ihr Ansinnen fachte die Neugierde und den Tatendrang britischer Alpinisten erst recht an. Sie kamen von da an in Scharen nach Zermatt, um ebenfalls das Matterhorn zu sehen und zu besteigen. Die touristische Entwicklung von Zermatt nahm damit ihren Anfang.

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Die abenteuerliche erste Gipfelbesteigung

Die erste Frau auf dem Berg

Natürlich ließen sich auch die Damen nicht vom großen Abenteuer abhalten. Mit Damenhut, genagelten Schuhen und im langen Kleid gelang der Britin Lucy Walker die Erstbesteigung des Matterhorns.

Am 22. Juli 1871 erreichte das Telegramm aus Zermatt die Zeitungsredaktion des Journal de Genève. Die Britin Lucy Walker (1836-1916) hat es geschafft: Sie ist als erste Frau auf den Gipfel des Matterhorns gestiegen. Damit ist ihr ein Glanzstück des Frauenalpinismus gelungen, nur sechs Jahre nachdem, der Brite Edward Whymper als erster Mensch auf dem Berg gestanden hat. Die Nachricht verbreitet sich in Kürze in Europa und Übersee.

Abenteuer 2.0 Seen, Gipfel, Gletscher - die Schweiz heute

Nicht nur die Tourismus-Pioniere haben in der Schweiz ihr Paradies gefunden – auch heute kann man in der Schweiz noch zahlreiche Abenteuer erleben und vieles neu entdecken.

Wer gerne wandert, klettert, Fahrrad fährt oder einfach mal die Seele baumeln lassen will, der ist hier richtig. Eine schöne Idee, um keine Sehenswürdigkeit zu verpassen, ist die Grand Tour, die Schweizer “Route 66” – sie führt durch die ganze Schweiz und lässt keine wichtige Station aus. Die rund 1600 Kilometer lange Entdeckungsreise führt durch vier Sprachregionen, über fünf Alpenpässe, zu elf UNESCO-Welterbestätten sowie zwei Biosphären und an 22 Seen entlang. Das Schöne daran – wie lange man wo bleibt, kann man sich selber aussuchen. Die rote Strecke auf der Karte markiert die Grand Tour:

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Die Grand Tour of Switzerland

Die Grand Tour of Switzerland führt über 1600 Kilometer durch die ganze Schweiz, an den zahlreichen Highlights kann man einfach anhalten. Ob nur für ein paar Stunden oder sogar einige Tage, entscheidet man dabei selber – mit dem Auto ist man schließlich unabhängig. Und auf der ganzen Tour gilt: Der Weg ist das Ziel. Während man über die Alpenpässe fährt, kann man sich die atemberaubende Natur der Schweiz von oben anschauen, in 22 türkisblauen Seen die Spiegelung des einzigartigen Alpenpanoramas bewundern. In den großen Städten Museen, Messen und Bauwerke von Weltruf bestaunen. Auf diese Weise lernt man bei der Grand Tour of Switzerland auch Land und Leute richtig kennen, kann in die Geheimnisse der berühmtesten Schweizer Traditionen eintauchen und natürlich dabei auch die Köstlichkeiten, für die die Schweiz berühmt ist, genießen. Schokolade, Käse, Aprikosen, Bündner Fleisch oder frischen kühlen Weißwein, um nur einige zu nennen. Wer nach einem erlebnisreichen Tag ein Quartier für die Nacht sucht, ist richtig bei den Parahotellerie-Betrieben der Schweiz, wie Bed & Breakfast, Campingplätze, Ferienhäuser und -wohnungen oder Reka-Feriendörfer. Denn hier gibt es zum einen eine Bleibe für die Nacht und zum anderen kommt man schnell mit den Gastgebern ins Gespräch, erhält Einblicke in das tägliche Leben und bekommt garantiert den einen oder anderen Geheimtipp für das nächste Stück der Route.

Urgesteine - bei Schweizern zu Gast

Warum auf der Grand Tour nicht mal bei echten Schweizer Gastgebern Halt machen und sich die besten Tipps und Geschichten vom Wirt erzählen lassen? Schweizer Urgesteine erzählen.

Ganz großgeschrieben werden in der Schweiz die Traditionen, wer zu Gast ist, wird sicherlich die ein oder andere besonders außergewöhnliche miterleben. Eine davon ist sicherlich das “Silvesterchlausen” in Appenzell.

Tradition mit Hut

Einen 8 Kilo schweren Hut 14 Stunden auf dem Kopf tragen? Das macht Hanskoni Frischknecht mindestens zweimal im Jahr – denn dann zieht er als „Silvesterchlaus“ um die Häuser. Im wahren Leben ist er Gastgeber des Reka-Feriendorfes in Urnäsch bei Appenzell und kümmert sich um die Gäste und natürlich auch um die Tiere, die es im Feriendorf vor allem den kleineren Gästen angetan haben.

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Hanskonie mit seiner Haube

Frischknecht ist stark mit der Region und den Traditionen verwurzelt und so zieht er mit vielen anderen am neuen Silvester, am 31. Dezember, ab den frühen Morgenstunden durchs Dorf, von Haus zu Haus, und das in aufwendiger Verkleidung. Vor allem die Hauben, die die Chläuse tragen, sind etwas ganz Besonderes – mehrere Kilo bringen sie auf die Waage und zeigen Szenen aus der Region. Diese Hauben bauen die Männer alle paar Jahre neu und dann meist mit Hilfe ihrer Frauen „600-800 Stunden sitzt man da schon dran“, erzählt Frischknecht, „wir nähen 43000 Perlen von Hand an – sogar eine Beleuchtung ist mit drin.“ Und wenn die Haube dann fertig ist, kann es losgehen. Die Haube ist wie ein kleines Diorama – mehrere Szenen werden in den verschiedenen Etagen gezeigt.

Vor den Bauernhäusern in der Nachbarschaft stellen sie sich in einem Kreis auf, schellen und rollen und stimmen dann ein Zäuerli (eine Art Jodeln) an. Dann wünschen die Chläuse dem Hausherrn und seiner Familie mit kräftigem Händedruck ein gutes neues Jahr und ziehen weiter. Das Ganze wiederholt sich am 13. Januar – dem alten Silvester nach dem Julianischen Kalender. Die Haube und sein Kostüm präsentiert er den Gästen im Reka-Feriendorf regelmäßig bei Brauchtumsabenden – er hat meist ein staunendes Publikum vor sich –, einen über 8 Kilo schweren Hut sieht man aber auch nicht alle Tage. Wie das dann aussieht, kann man hier im Video sehen:

Die Silvesterchläuse im Einsatz

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007 im Schnee

Der Skilehrer von James Bond

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Die Moores und Jörg Romang

Wer einmal nach Crans-Montana im Wallis kommt, der kommt immer wieder. Dieser Satz gilt wohl auch für Roger Moore, der in Filmen den Superagenten James Bond mimte. Denn nachdem er sich von seiner Frau und damit auch von seinem Chalet in Gstaad getrennt hatte, fand er nach einiger Suche in Crans-Montana ein neues Zuhause. So kam es, dass eines Tages das Telefon bei einer Skischule in Crans-Montana läutete und ein Skilehrer für Roger Moore geordert wurde. Also machte sich Jörg Romang auf den Weg, um mit James Bond den Schnee unsicher zu machen. Romang ist nicht nur Skilehrer, sondern auch Stuntman und hat in einigen Filmen und Werbespots mitgemacht. Also genau der richtige Mann, um es mit dem Agenten aufzunehmen. Doch das musste er gar nicht, Roger Moore stellte sich nämlich auf Brettern nicht so geschickt an wie in seinen Filmen. Als er das erste Mal mit Romang auf den Berg fuhr, erwischte er beim Einsteigen den Sessellift nicht richtig. Das führte dazu, dass er mitten unter der Fahrt aus dem Lift fiel – mehrere Meter tief. „Zwischen uns saß noch seine Frau, sonst hätte ich ihn natürlich gepackt, aber so – keine Chance. Ich sah schon die Schlagzeile vor mir: ‚Skilehrer tötet James Bond‘.“ Doch es ging glimpflich aus: „Zum Glück gab es eineinhalb Meter Neuschnee, er landete weich und als er sich aus dem Schneeberg befreit hatte, machte er sogar einen Spaß aus seinem unfreiwilligen Fall.“ Im Film mit ein paar Tricks sah der Skifahr-Stil von Roger Moore dagegen recht beeindruckend aus:

Bis heute hält die Freundschaft zu Roger Moore – Romang wird sogar hin und wieder als Freund der Familie eingeladen, „eine Ehre“, freut er sich. Sonst gibt der 50-jährige Romang natürlich auch allen anderen interessierten Feriengästen Skistunden, viele davon haben in Crans-Montana eine Ferienwohnung von Interhome gemietet. „Da werde ich oft von den Damen bei der Zentrale empfohlen“, erzählt er. Ist ja auch wirklich eine gute Werbung, wenn man sogar mit James Bond auf die Piste geht…

Die Schweiz ursprüngliche Traditionen, die bis heute gepflegt werden, viele kulinarische Köstlichkeiten, die es nur hier gibt, viel zu entdecken und zu erleben. Mehr Geschichten über die Gastgeber der Schweiz und Tourenvorschläge für die Grand Tour gibt es hier

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Fotonachweise: Stefanie Müller, Schweiz Tourismus, dpa, SWP-Archiv, wikipedia
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