„Goedemorgen“ heißt „Guten Morgen“

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In Bad Bentheim an der holländischen Grenze lernen Schüler Niederländisch als zweite Fremdsprache. Im Alltag können die Jungen und Mädchen ihre erworbenen Kenntnisse gut anwenden. Der Rektor der Schule empfiehlt das Modell auch für andere deutsche Grenzregionen.

 Es dauert ein wenig, bis alle Schüler der 9. Klasse ihre Hefte auf dem Tisch haben. Aber nach einem strengen Blick der Lehrerin hat auch der Letzte seine Sachen parat, und der Unterricht kann beginnen. „Goedemorgen, mevrouw Niehaus“, ruft die Klasse im Chor. Auf Deutsch hieße das: „Guten Morgen, Frau Niehaus“, doch Lehrerin Sabrina Niehaus will, dass die Schüler nur Niederländisch sprechen. Wenn die Schüler ihr Deutsch ausschalten und gleich in der Fremdsprache denken, lernt es sich besser.

Zunächst müssen die Jungen und Mädchen der Bad Bentheimer Realschule an einem Overhead-Projektor Satzanfänge mit Satzenden verbinden. Dann hören sie eine CD, auf der sich drei junge Frauen darüber unterhalten, was sie zu einem Konzert anziehen wollen. Zum Abschluss müssen die Schüler Fragen zum Gehörten beantworten und in Gruppenarbeit ein Arbeitsblatt ausfüllen. Während der gesamten 45 Minuten herrscht eine gute Arbeitsatmosphäre. Die Schüler melden sich fleißig und sind voll bei der Sache.

Später erzählen die Mädchen und Jungen in einer kurzen Pause, wie sie ihr Niederländisch anwenden. „Letzte Woche waren wir in Holland im Freizeitpark. Da habe ich nach einer Karte gefragt, und die haben mich gut verstanden“, sagt die 14-jährige Britta. „Meine Cousine hat einen holländischen Freund. Mit dem kann ich mich in seiner Sprache unterhalten“, berichtet die 15-jährige Jessica stolz. Und der 15-jährige Dirk, der in den Niederlanden geboren ist, fügt hinzu: „So kann ich mich mit meinen Verwandten unterhalten.“

Die Kontakte zwischen Deutschen und ihren Nachbarn sind in Bad Bentheim äußerst vielfältig. Von der 15.000-Einwohner-Stadt sind es nur sieben Kilometer bis zur Grenze. Die Menschen aus der Region fahren gern in die holländische Großstadt Enschede zum Einkaufen. Manche haben Verwandte und/oder Bekannte hinter der Grenze, an der 1995 im Rahmen des Abkommens von Schengen die Zollkontrollen wegfielen. Umgekehrt besuchen viele Niederländer das hübsche Städtchen Bad Bentheim und die dazugehörige Grafschaft.

„Es gibt sogar eine ganze Reihe von Niederländern, die hier ein Haus gekauft haben und sich dauerhaft niedergelassen haben“, sagt der Rektor der Realschule, Jürgen Klukkert. „Wir haben hier einen Hügel und darauf eine Burg, wo gibt es das schon in Holland?“

Rund ein Viertel der 400 Schüler haben sich zu Beginn der 6. Klasse für Niederländisch als zweite Fremdsprache entschieden. Gerade mal 20 besuchen den Französisch-Unterricht, den anderen reicht Englisch als einzige Fremdsprache. Das Angebot an der Realschule besteht seit gut fünf Jahren. „Wir haben gemerkt, dass die deutsch-holländische Verknüpfung in der Region immer stärker geworden ist und haben darauf reagiert“, sagt der Schulleiter, der dieses Modell auch andernorts empfiehlt. „Das kann zum Beispiel auch für Gegenden in Deutschland interessant sein, die an Polen oder Tschechien grenzen“, sagt er.

 

Text: Michael Gabel
Fotos: Ronny Fonfara, Michael Gabel

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