Der Erste, der kommt, der Letzte, der geht

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Hintergrund

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13 Uhr. Zeit für eine Zigarette. Genüsslich zieht Roman Gandor an einer Zigarette, sein Blick wandert quer durch die Zuschauermenge.

Zum ersten Mal hat er ein wenig Zeit. Der Konstanzer steht etwas abseits vom Renngeschehen und schaut in die Menschenmenge. Auf dem Kopf trägt er eine Cappy, die Sonnenbrille lässig aufgesteckt. Die ersten Regentropfen prasseln auf seine Kopfbedeckung, er atmet tief durch und genießt die Ruhe.

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Roman Gandor weist seine Helfer ein

Marius Funk

10 Uhr. „Wir haben diesen Tag bereits seit neun Monaten geplant und wollen den Zuschauern und Rennfahrern einen sicheren Rennverlauf gewährleisten“, sagt Roman Gandor mit einem Lächeln im Gesicht zu Beginn seines Arbeitstages. Zum Rennen würden mehr als 150 Radsportler erwartet werden, der logistische Aufwand auf der rund 1000 Meter langen Rundstrecke sei daher dementsprechend hoch.
Doch für ein längeres Gespräch hat der Konstanzer keine Zeit. Er fährt den LKW mit den Absperrgittern an den Start- und Zielbereich und beginnt mit seinen Helfern, die Strecke abzusperren. Konzentriert weist er die gerade erschienen Helfer ein, darunter auch seinen Sohn. Der Streckensicherungschef gibt klare und präzise Anweisungen, für Tratsch bleibt keine Zeit. Er ist der Ruhepol in der hektischen Vorbereitungsphase. Die komplette Organisation stemmt er ohne Funkgerät, dafür greift er öfters zu seinem Smartphone, um die verschiedenen Anweisungen zu koordinieren.

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Gandor kümmert sich um die Werbebanner

Marius Funk

Noch 45 Minuten bis zum Start des ersten Fahrerfeldes. Die Absperrung am Start- und Zielbereich ist bereits erfolgt, nun befestigt Gandor noch die Werbebanner an den Gittern. Sein Blick ist auf die Kabelbändchen gerichtet, im Gesicht immer noch sein zufriedenes Lächeln. „Ich stelle mich gerne in den Dienst des Vereins. Die Arbeit macht mir natürlich Spaß, mittlerweile mache ich den Job schon seit mehr als zehn Jahren, dadurch ist man mit den einzelnen Abläufen vertraut und behält den Überblick“, erzählt Gandor. Als Rennfahrer war er in den 80er und 90er Jahren aktiv, bevor er trainingstechnisch immer kürzer trat und 2005 schließlich mit dem Rennradsport aufgehörte. Stattdessen übernahm er ab diesem Zeitpunkt das Amt des Fachwarts für Breitensport beim VMC Konstanz. Zu seinen Aufgaben gehören unter anderem die Planung von Events und verwaltungstechnische Aufgaben. Doch an diesem Tag widmet er sich voll und ganz der Streckensicherung.

Noch 30 Minuten bis Rennbeginn. Die rund 25 Rennfahrer des ersten Startes fahren sich auf dem Rundkurs durch die Konstanzer Innenstadt warm und auch die Wettkampfstimmung  steigt. Der Sprecher kündigt die Teilnehmer des kommenden Rennens an und auch die Zuschauer erscheinen allmählich. Vom Rennfieber bekommt Roman Gandor nichts mit, er ist immer noch mit der Absperrung beschäftigt. Er und seine vier Helfer sind bei der Hälfte der Strecke, der LKW steht auf der Parallelstraße des Zielbereiches. Während seine Helfer die Absperrgitter abladen, dirigiert Gandor mit seinem Zeigefinger, wo genau sie hinzukommen haben. Nach einem Blick auf die Uhr zeigt er den Kollegen mit einer Geste an, zügig fertig werden zu wollen.

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Als Fahrer des LKW knapp dem Crash entkommen

Marius Funk

Noch fünf Minuten bis zum Start. Die Rennfahrer sind startbereit und sichtlich motiviert. Roman Gandor will den LKW zum Abstellplatz fahren und muss daher noch den Start- und Zielbereich passieren. Die Rennfahrer weichen zwar zur Seite, doch der LKW passt nicht unter das Startbanner durch. Die Zuschauer schreien auf und wittern die Kollision. Der Rennsprecher brüllt in sein Mikrofon: „Halt! Stop“. Gandor verzieht keine Miene und scheint davon nichts mitzubekommen. Zentimeter vor einem Zusammenstoß bremst der Fahrer jedoch ab und sucht nach einer Alternative. Das Publikum atmet auf. Der Streckenchef fährt rückwärts in eine Grünfläche, steigt aus und wischt sich die Schweißperlen von der Stirn. Tief durchatmen. Nochmals Glück gehabt.

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Die Radrennfahrer warten auf den Startschuss

Marius Funk

Drei Minuten bis zum Start. Das Streckensicherungsteam hat seine Arbeit erledigt, die Rennfahrer der Junioren U19 haben sich schon an der Startlinie positioniert und gehen noch einmal in sich. Doch Gandor treibt es nochmal um: Er schnappt sich das Rad seines Sohns und fährt die Strecke nochmal ab. Penibel ordnet er die Gitter an und geht nochmals sicher, dass alle Einfahrten abgesperrt sind. Zudem weist er den Streckenposten ihre Positionen zu und kontrolliert nochmals, ob alle Standorte besetzt sind. Dabei lässt er es sich trotz des Zeitdrucks nicht nehmen, die ein oder andere amüsante Bemerkung zu machen.

,,Heute lief alles glatt.“

„3…,2…,1… und Los!“, schallt es aus den Lautsprechern und die Rennfahrer werden mit einem Startschuss auf die Rundstrecke geschickt. Der Streckensicherungschef hilft den anderen Teams aus, sei es beim Fahren des Führungsfahrzeuges oder beim Entladen von Fahrrädern. „Dieses Jahr haben einige Helfer abgesagt, so dass wir das Fehlen durch ein höheres Engagement ausgleichen und uns gegenseitig aushelfen müssen“, verrät Gandor. Mittlerweile hat es angefangen zu regnen und die anfängliche Rennstimmung bekommt einen Dämpfer. Der Startschuss des wichtigsten Rennens der Elite mit über 70 Teilnehmern ist trotz des anhaltenden Regens abgefeuert worden.

Die weiteren Rennen kann der in der Lebensmittelbranche tätige Konstanzer mit seiner Familie genießen, ehe um 17 Uhr die letzten Rennfahrer starten. Nachdem die letzten Fahrer die Ziellinie überfahren haben, beginnt für Roman Gandor und sein Team die Arbeit erneut. Als um 19.30 Uhr das letzte Absperrgitter in den Transporter geladen wurde, füllt einerseits Zufriedenheit, andererseits Erleichterung die Mimik des Konstanzers. „Heute lief im Großen und Ganzen alles glatt ab, wir können zufrieden sein. Wir sind die ersten Personen, die am Veranstaltungstag da sind und die Letzten, die gehen.“

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