50 Jahre ulmer wochenblatt: Seit 1966 in Ulm, um Ulm und um Ulm herum

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Ulm. Wir schreiben das Jahr 1966. Das Jahr, in dem die englische Nationalmannschaft nach dem Wembley-Tor Weltmeister wurde, Ludwig Erhard Bundeskanzler war und „Yellow Submarine“ von den Beatles in den Charts stand.  In Ulm hob derweil der findige Gerhard Mewes das ulmer wochenblatt aus der Taufe. Mit anfangs 30.000 Exemplaren startete das Blatt seine Karriere. Die Idee kam dem Redakteur der ersten Stunde, da es ähnliche Blätter in Stuttgart und München gab. Eine Idee, die auch in Ulm aufging. Anfangs hieß die Wochenzeitung noch „ulmer/neu-ulmer wochenendanzeiger“.

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Das erste ulmer wochenblatt erschien am 6. Oktober 1966.

Vier Jahre später, 1970, übernahm der Ebner Verlag das ulmer wochenblatt. Dabei bestand es anfangs beinahe nur aus Anzeigen und vereinzelten Ratgeberthemen, mausert sich aber schon in den 70er- und 80er-Jahren zum Sprachrohr der Ulmer. Viele Aktionen gab es über die Jahrzehnte, so traf man sich zu Gesprächen mit den VIPs der Stadt beim Ulmer Schwatz, es gab viele Aktionen wie „Rezepte gesucht“ hier wurden die besten Kässpätzle oder Kutteln gekocht, aber auch „Wie werde ich Nichtraucher“ oder „der Speck muss weg“ Themen, die heute genauso aktuell sind wie vor 40 Jahren.

Viele Themen haben sich nicht geändert

Die Themen, die damals die Ulmer bewegten, sind den aktuellen gar nicht so unähnlich: Studenten, die keine Wohnungen fanden, fehlende Parkplätze in der City, der ausbleibende Sommer, Stressbekämpfung oder der Nahverkehr. Von der guten alten Zeit zu sprechen wäre nur ein verklärter Blick – das meiste war schon in den 70er-Jahren wie heute. Außerdem gab es in regelmäßigen Abständen eine Kolumne von „Oskar Scheufelhuber“ (ähnlich wie heute „Müllers Ulm“). Hier waren die Bären in der Friedrichsau ein beliebtes Thema, das schlechte Ulmer Pflaster mit Stolpersteinen oder auch die Parkplatznot – alltägliche Ulmer Dinge, die genauso heute noch im Wochenblatt auftauchen könnten.

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Viele Gastronomiebetriebe wurden über die Jahre im ulmer wochenblatt vorgestellt. Einige gibt es tatsächlich heute noch, wenn auch oftmals unter neuer Führung. Andere wie der Oberberghof oder das Aquarium sind als „legendär“ in die Annalen der Stadt eingegangen traf sich doch hier alles, was Rang und Namen hatte – diese sind allerdings komplett von der Landkarte verschwunden. Auch Autos waren schon immer ein wichtiges Thema, Oldtimer kamen immer wieder vor, auch heute gibt es die Serie „Altes Blech“, die schöne Oldies zeigt, auch wenn die Fahrzeuge heute wohl überwiegend aus den Anfangsjahren des ulmer wochenblattes stammen und nicht aus Vorkriegszeiten. Von daher kann man wohl beim Wochenblatt inzwischen auch von einem Oldie sprechen, auch wenn er entsprechend gepflegt wurde. Über die Jahrzehnte gab es Farbwechsel, Größen- und Layoutänderungen und auch heute muss sich das ulmer wochenblatt nicht verstecken: Das Layout und die Themenauswahl brachten dem uwo vom BVDA den Titel „Bestes Wochenblatt Deutschlands“ ein. Heute werden mittwochs über 140.000 Exemplare in der gesamten Region verteilt, seit dem Jahr 2006 kann man es auch auf www.ulmer-wochenblatt.de komplett online lesen.

Was wurde eigentlich aus ...

Für ein so großes Jubiläum wie 50 Jahre ulmer wochenblatt macht man doch gerne mal eine Zeitreise. Nun haben wir keinen De Lorean wie in „Zurück in die Zukunft“, aber wir haben ein Archiv, was zwar nicht den gleichen Fahrspaß bietet aber doch einen Zeitsprung. Also stieg die ulmer-wochenblatt-Redaktion in die Tiefen des Archivs hinab und blätterte in den Ausgaben des letzten halben Jahrhunderts. Immer wieder gab es verzückte Schreie, Gelächter und ungläubige Gesichter – wir entdeckten einige echte Schätze. Viele Geschichten warfen die Frage auf, was wurde eigentlich aus …

… dem besten Trompeter

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Joo Kraus zeigte schon früh, was er kann.

Joachim sagt heute keiner mehr zu ihm – er wird von allen nur Joo genannt. Ein Jahr nach dem Artikel ging es bei Joo Kraus richtig los. Tab Two, Kraan – Bands, die zu Legenden wurden. Der Star-Trompeter lebt auch heute noch mit seiner Familie in Ulm, er ist aber viel unterwegs in aller Herren Länder. „Eigentlich war ich schon überall, außer in Australien, dazu hat es noch nicht gereicht“, erzählt er. „Ein Highlight für mich ist die USA. Da war ich vor zwei Jahren schon mal und da werde ich auch im November wieder spielen.“ Im November wird er außerdem 50 Jahre alt, also hat er sich auch mal Zeit genommen, die letzten Jahrzehnte Revue passieren zu lassen. Anfang November kommt sein neues Album „Until Now“ raus, das viele alte Stücke unter anderem mit Tab Two, Tina Turner oder der SWR-Big Band beinhaltet. „Man kann wohl sagen, mein Traum hat sich erfüllt. Das klingt zwar erst mal richtig gut, aber es gab durchaus auch Durststrecken, Zeiten in denen man sich durchbeißen und diszipliniert sein musste“, sinniert Kraus. „Ein großer Traum hat sich auch mit meiner Familie erfüllt, inzwischen habe ich drei Kinder und es ist großartig, mit allen Höhen und Tiefen.“ Von vielen wird der erfolgreiche Musiker inzwischen auf der Straße erkannt, er selber kriegt das meist gar nicht mit. „Man wächst da langsam rein, der Erfolg kam nie einfach über Nacht. Und in Zeiten von Tab Two oder Kraan kam ich mir gar nicht so berühmt vor ich glaube, das ist einfach auch mit den Jahren zur Legende geworden.“ Auch heute hat er noch ab und zu Kontakt zu seinem damaligen Bandkollegen Hellmut Hattler, „aber wir sind beide gut beschäftigt, da schafft man es einfach doch seltener:“ Eines seiner wenigen Hobbys ist Basketball, das schaut er sehr gerne an. „Für mich der beste Sport zurzeit, ich hab es nicht so mit Fußball.

„Man kann wohl sagen, mein Traum hat sich erfüllt.“ Joo Kraus

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Joo Kraus erinnert sich gerne an die gute alte Zeit.

Vor Kurzem war ich für ein Mini-Konzert auf einem großen Firmenevent auf der Alb mit Sterneköchen und allem Drum und Dran. Auf dem Hinweg habe ich einen Mc Donald’s gesehen – da bin ich dann direkt nach dem Konzert hingefahren, um in deren WLAN das Spiel der Ulmer anzuschauen, Burgermenü statt Sterneküche- aber das war es wert“, lacht der Musiker. In Ulm ist er gerne mal abends unterwegs, „Die Bar“ oder auch mal in der „Hudson Bar“- da kann man mal ganz gut hingehen, Ulm ist für mich immer ein bisschen heile Welt. Auf die Frage nach einem Ratschlag, dem er heute seinem 18-jährigen Ich mit auf den Weg geben würde gefragt sagt er: „Ich habe mich immer zu sehr bequatschen lassen, von daher würde ich sagen: ,Lass dich nicht zu stark beeinflussen von Meinungen und Ratschläge anderer‘. Das hat mich immer am meisten von mir selber weggebracht. Ich finde es schön zuzuschauen, zu sehen wie Leute agieren – gute Vorbilder sind besser als jeder Ratschlag.“

… dem Spieler des Monats

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Vokuhila und Schnauzbart - Günter Berti posierte 1984 mit seiner Haarpracht auf dem Cover des ulmer wochenblatts.

Vokuhila und Schnauzer. Dieser 80er-Jahre-Trend ging auch an Günter Berti nicht vorbei. Im November 1984 posierte der „Abwehrrecke“ mit seiner Haarpracht auf der Titelseite des ulmer wochenblatts. Denn der damalige SSV-Kicker wurde zum Spieler des Monats gekürt. Es gab zu dieser Zeit viel Trubel um die Mannschaft, denn in der Saison 1984/85 spielte der SSV Ulm 1846 noch in der 2. Bundesliga. „Das waren schon schöne Zeiten“, schmunzelt der heute 61-jährige Berti. Leider endete die Spielzeit mit dem Abstieg in die Oberliga. „Aber der harte Mannschaftskern hat zusammengehalten. Vor allem Ronald Boley, Erich Steer und ich haben die Truppe wieder hochgebracht“, erinnert sich Berti. In seinen 16 aktiven Jahren beim SSV war für ihn die Saison 1980/81 am schönsten. „Das Team war klasse und mit Jörg Berger hatten wir genau den richtigen Trainer an unserer Seite. Für ihn wären wir durchs Feuer gegangen“, erklärt Berti. Die Spatzen hätten unter Berger sogar beinahe den Bundesliga-Aufstieg geschafft. Am letzten Spieltag verhinderten jedoch die Stuttgarter Kickers den Einzug ins Oberhaus. „Das war eine bittere Pille für uns“, blickt Berti zurück. Obwohl er damals von Bundesligisten wie Borussia Mönchengladbach, dem 1. FC Köln und dem 1. FC Nürnberg umworben wurde, blieb er den Ulmern treu. „Ich war damals vielleicht zu bodenständig“.

„Das waren schon schöne Zeiten.“ Günter Berti

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Heute ist Günter Berti 61 Jahre alt und trägt immer noch mit stolz das Trikot des SSV Ulm 1846.

Dass er nie wechselte, bereut Berti jedoch nicht: „So konnte ich neben dem Fußball auch meiner Halbtagstätigkeit als Verkäufer im Innendienst nachgehen.“ Und auch wenn ihm Erstligapartien Spitzenteams verwehrt blieben tolle Erinnerungen sammelte er in seiner Karriere trotzdem. „Eines der besten Spiele war unser 1:0 gegen Schalke 04 im Donaustadion. Ein Ulmer Sieg gegen Schalke – heute unvorstellbar.“ Auswärts blieb ihm vor allem die Begegnung gegen Hannover 96 im Gedächtnis: „Vor 45.000 Leuten ins Niedersachsenstadion einzulaufen – das war Gänsehaut pur.“ Obwohl Berti als Abwehrrecke eher selten vors gegnerische Gehäuse kam, erinnert er sich gerne an einige Traumtore. „Gegen die TSG Giengen habe ich zum Beispiel im WFV-Pokal einen Freistoß von der Mittellinie ins Tor gezimmert.“ Sein letztes Spiel für den SSV absolvierte er 1988. „Mit 33 Jahren war dann Schluss.“

War früher alles besser ?!

Wie war das eben vor 50 Jahren in Ulm?

Was hat man gemacht, wo ging man hin, was waren die Themen? Ulmer erzählen aus dem Nähkästchen.

Bei Erika traf sich alles

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Erika Fabis blickt gerne auf ihre Zeiten im Ulmer Nachtleben zurück.

Einiges an Ulmer Gastro-Geschichte hat Erika Fabis miterlebt. Mit ihrer Kneipe „Bei Erika“ hat sie selbst knapp 40 Jahre daran teilgehabt. Noch heute trifft sich die inzwischen 76-Jährige mit Leuten, die bei ihr einen Stammtisch hatten. Überhaupt haben sich aus ihrer Gastro-Zeit viele Freundschaften erhalten. Erika war nicht nur Wirtin, sondern eine Institution in der Ulmer Kneipenszene. Dabei hat sich doch einiges geändert in der Zeit von damals zu heute. „Angefangen in der Gastronomie habe ich, weil man früher als Frau eigentlich nicht alleine ausgehen konnte. Doch ich wollte nicht immer zuhause sitzen“, blickt sie zurück. Zunächst hat Erika in der Disko Blaueck an der Theke gearbeitet, 1972 übernahm sie ihr erstes Lokal in der Neuthorstraße. Es hieß „Bei Charly“. „Eines Abends dachte ich mir: Was ist das für ein Krach? Es waren die Hockeyspieler, welche die Buchstaben „Bei Erika“ an die Scheibe geklebt haben“, erzählt Erika über die neue Namensgebung. Den Namen der Wirtin trug auch das zweite Lokal, das Erika 1984 in der Olgastraße eröffnete und bis 2010 führte. „Bei Erika“ fanden die Gäste einen unkomplizierten Treffpunkt und es gab bis nachts Essen. Das zog auch die Theaterleute an, die nach den Aufführungen kamen.

„Ich mochte diesen kulturellen Austausch.“ Erika Fabis

„Sie gingen ihre Stücke durch und wir haben Diskussionen darüber geführt. Ich mochte diesen kulturellen Austausch. Weil ich selber im Lokal stand kam ich nicht so oft weg und hatte so meine Kultur“, bemerkt Erika. Wenn sie doch ausging, dann gerne ins „Aquarium“, in dem Schauspieler und ein offenes Publikum zusammen kamen. Das Aquarium war „in“-Lokal in der damals noch überschaubaren Ulmer Gastro-Szene der 70er-Jahre. Wer gut drauf war, ging da schon mal gerne nach München. „Manche auch zum Frühstücken nach dem Ausgehen in Ulm“, erinnert sich Erika, die schon mal tanzen ging, um nach dem langen Arbeitstag den Kopf „frei zu kriegen“. Dabei spielten in den Tanzlokalen wie der „Retorte“ damals teils noch Live Bands. Überhaupt wurde vergnüglich gefeiert. Zu Erikas 40. Geburtstag rollten die Theaterschauspieler das Probenklavier vom Theater zur Kneipe. Ein ABBA-Auftritt ihrer „Mädels“ war nur ein Höhepunkt an Erikas 60. Geburtstag.

Gosch au na?

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Ulm und seine Grünflächen liegen Ulrich Dierßen am Herzen.

Der wohl berühmteste Spruch in Zusammenhang mit der Friedrichsau ist „Gosch au no in d‘Au na?“ Jeder Ulmer weiß: Das sagt ein Einheimischer zum anderen, wenn am Schwörmontag das Nabada vorbei ist. Am 14. Mai 1980 war die Au der Star, mit großem Tamtam wurde damals die Landesgartenschau eröffnet wurde. Die Auswirkungen sind auch heute, 36 Jahre später noch spürbar. „Auch das Bärengehege war damals mit in die Schau integriert,“ blickt Prof. Ulrich Dierßen zurück. Die Dianawiese wurde aufgewertet, hässliche Gebäude auf dem Gelände mussten weichen. Dierßen erinnert sich an den gewaltigen organisatorischen Aufwand.

„1978 wurde ich Geschäftsführer der landesübergreifenden Gartenschau.“ Ulrich Dierßen

Immerhin mussten zwei Städte, zwei Bundesländer, verschiedenste Fördertöpfe und gleich mehrere Landschaftsarchitekten unter einen Hut gebrachte werden. Doch die Schau wurde zu einem vollen Erfolg: „Wir hatten 1,4 Millionen Besucher“, sagt Dierßen nicht ohne Stolz. Dierßen ist 1943 in Niedersachsen geboren, hat Gärtner gelernt, später Landschaftsbau studiert und mehrere Landesgartenschauen geleitet. „1978 wurde ich Geschäftsführer der landesübergreifenden Gartenschau. Damals zog ich mit meiner Familie ins beschauliche Blaubeuren. Nach der Schau habe ich in einer leitenden Position beim Gartenbauamt in Stuttgart gearbeitet. Erst nach dem Tod seiner Frau im Jahr 2014 zog er wieder nach Ulm, an seine ehemalige Wirkungsstätte

Die beste Nacht meines Lebens ...

A Night to remember

Ulm scheint auf den ersten Blick nicht unbedingt das Zentrum der Event- und Kulturszene zu sein. Weit gefehlt, denn lässt man Kulturschaffende und Zeitzeugen in Erinnerungen schwelgen, kommen ganz und gar unglaubliche Geschichten zutage.

Eine Cola für den Fredl

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Freddie Mercury fühlte sich in der Ulmer Disco Aquarium pudelwohl.

Am 7. September 1985 – zwei Tage nach seinem 39. Geburtstag – war Freddie Mercury zu Besuch in Ulm. Besser gesagt, er war Ehrengast in DER angesagten Kneipe schlechthin: im Aquarium. Einer, der sich heute noch gerne daran zurück erinnert, ist Oliver Alizade. Er war damals gerade 18 Jahre alt und kam dem Megastar an besagtem Abend so nahe wie er es sich niemals erträumt hätte. Also rein geschäftlich, versteht sich.

Aber von vorne. Eines Abend, es war irgendwann im Sommer 1984, war Olli mit seinem Kumpel im Ulmer „Westside“ unterwegs. Bisschen Trinken, bisschen tanzen… „Auf einmal quatschte mich ein Typ an – wie sich später herausstellte war es Garry Lottermoser, Inhaber des Aquariums. Er fragte uns, ob wir Lust hätten, bei einem Galaabend in seinem Glitzerbistro die Gästebetreuung zu übernehmen. 100 Mark hat der uns damals geboten – das war ne ganze Menge für mich als 17-Jähriger, also zögerten wir nicht lange und sagten zu.“

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Oliver Alizade kann sich noch wie heute an seine Begegnung mit Freddy Mercury erinnern.

An diesem Galaabend 1984, Margot Werner war unter anderem da, haben sich Oliver und sein Kumpel offenbar gar nicht dumm angestellt. Denn im nächsten Jahr wurden sie von Lottermoser direkt für den nächsten Galaabend engagiert. „In so einer Art Pagenanzug sollten wir die Gäste begrüßen und Blumensträuße an die Damen überreichen. Wir kamen aus dem Staunen gar nicht mehr raus… so viele bunte Vögel und wilde Gestalten. So etwas hatte ich bis dato noch nirgendwo gesehen. Aber allzu viel Zeit zum Gucken blieb nicht, denn es war die Hölle los und plötzlich hieß es, wir sollen schnell dem Servicepersonal helfen, die Getränke an die Tische zu bringen“, erinnert sich Alizade. Und dann passierte es: Irgendwer drückte dem 18-jährigen Olli eine Flasche Cola in die Hand und sagte, während er den jungen Mann bereits in die richtige Richtung schubste: „Hier, schnell, die Cola ist für den Fredl!“ Fredl, so nannten die Inhaber Lottermoser und Manfred Zauter den Megastar ganz liebevoll.

„Ich hab dann tief Luft geholt, die Flasche genommen und hab Freddie Mercury seine Cola vor die Nase gesetzt!“ Oliver Alizade

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Einer der ganz Großen fühlte sich in Ulm fast so wohl wie zuhause: Freddie Mercury.

„Ich hab dann tief Luft geholt, die Flasche genommen und hab Freddie Mercury seine Cola vor die Nase gesetzt! Abgefahren. Aber das war es im Prinzip auch schon. Und trotzdem war ich in diesem Moment total aufgeregt und stolz. Das war immerhin nicht irgendwer. Queen waren zu dieser Zeit der absolute Knaller für mich.“ Und wie zum Beweis fügt er direkt an: „Meine erste Schallplatte war die 1979 erschienene „Live Killers“ – von Queen. Die steht bei mir heute noch in meinem Regal! Und natürlich muss ich jedes Mal ein bisschen schmunzeln, wenn ich sie mal wieder rausziehe und auflege. Denn dann erinnere ich mich immer wieder an meine Begegnung mit Mercury.“

Bowie, Zappa, Genesis und wir mittendrin

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Auch wenn Ulm nicht als Kulturzentrum bekannt ist - in der Münsterstadt wurden wilde Konzerte gefeiert.

Carmen Mark ist seit Jahrzehnten eine der Kultur-Drahtzieherinnen in und um Ulm: Das Café Brazil in Erbach, das ehemalige Strandgut in Neu-Ulm – aber auch die Pressearbeit im Roxy und der Kulturnacht war und ist ihr Metier. Musik ist ihre Leidenschaft. Sie kann sich noch gut an persönliche Höhepunkte in der Münsterstadt erinnern …

Mein erstes Erlebnis war das riesige Open Air Konzert in der Friedrichsau 1978. „Frank Zappa und Genesis in unserem winzigkleinen Ulm?! Das war für mich als 17-Jährige wirklich kaum zu glauben“, erzählt Mark… „Ich würde sogar sagen, dass dieses Festival etwas in mir angestellt hat. Das war der Anfang meines Weges, den ich bis heute in der Ulmer Kultur- und Musikszene beschreite. Auch das nächste große Open Air von im Jahre 1990, das in Ulm stattgefunden hat, hat mich umgehauen. Das Line-up war unglaublich: David Bowie in ,meiner‘ Stadt? Wahnsinn!

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Kultur ist Carmen Marks absolute Leidenschaft, die sie zum Beruf gemacht hat.

Als zweites ganz persönliches Highlight empfinde ich aus heutiger Sicht den 60. Geburtstag von Hellmut Hattler am 12.4.2012 im Roxy. Vom ersten ,Scheiße, ich werde bald 60 – wie soll ich das denn bloß feiern‘ bis zur Übergabe der Geburtstagstorte war ich voll involviert. Da ich von 2001 bis 2013 die Pressearbeit fürs Roxy gemacht habe, war klar wo gefeiert wird. Es war wie ein riesiges Klassentreffen mit sämtlichen Kulturschaffenden in Ulm, Musiker, Künstler und treue Fans gaben sich die Klinke in die Hand. Uralte Wegbegeliter von Hattler kamen zusammen und haben gespielt. Joo Kraus zum Beispiel. Siyou, Tab Two…

„Frank Zappa und Genesis in unserem winzigkleinen Ulm?!“ Carmen Mark

Unvergesslich auch die Eröffnung vom Strandgut am 15.7.2005. Damals konnten wir Culcha Candela nach Ulm holen – die waren damals noch nicht so berühmt, die Gage erschwinglich. Alles war aufgebaut, vorbereitet, dekoriert als plötzlich die Mutter aller Unwetter übers Gelände fegte und innerhalb kürzester Zeit gefühlt kein Stein mehr auf dem anderen lag. Die Bühne stand unter Wasser, ganze Pavillions wurden einfach weggeweht. Zwei Stunden waren es noch zum Konzertbeginn – als dann auch noch das superteure Mischpult von einem Kurzschluss heimgesucht wurde. Panik. Tunnelblick. Schadensbegrenzung.

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Hellmut Hattlers 60. Geburtstag im Roxy war für Carmen Mark unvergesslich.

Gott sei dank sprang damals Charly Rehm von Audio Express in die Bresche, organisierte binnen Minuten ein neues Mischpult, baute in Rekordzeit alles nochmal auf, brachte alles wieder zum Laufen und rettete uns somit allen den Allerwertesten! Mit nur ganz wenig Verspätung startete die Show und 400 Zuschauer ebneten den Weg für eine Ära voller toller Musik- und Kulturmomente in der damaligen Neu-Ulmer Flussmeisterei.

Auf die nächsten 50 Jahre

Scheinbar glaubt alle Welt, dass das Internet uns demnächst den Garaus macht. Natürlich können auch wir nur schätzen, was passieren wird – trotzdem sind wir uns einig: Das ulmer wochenblatt wird weitere Jubiläen feiern.

Wie man anhand der vielen bunten Geschichten aus den vergangenen 50 Jahren erkennen kann, ist ein halbes Jahrhundert eine lange Zeit. Wer weiß, was in den nächsten 50 Jahren alles erfunden wird – vielleicht liest man eines Tages die Zeitung mit bewegten Bildern – wie in den Harry-Potter-Geschichten?

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Ob Roboter zum 100. Geburtstag des ulmer wochenblatts im Archiv stöbern werden?

Sicher ist aber, dass die Menschen sich schon seit Urzeiten Geschichten erzählen und das wird sich nun auch nicht wegen des Internets ändern, im Gegenteil: Studien zeigen, dass durchaus mehr konsumiert wird, nur anders. Vielleicht kümmern sich zum 100. Jubiläum Roboter um die Jubiläumsausgabe – das wird sich zeigen. Fakt ist aber, die Zeitungen sterben nicht aus, es wird sich eher in Richtung einer anderen Form oder eines anderen Trägermediums entwickeln. Bis es aber so weit ist, werden wir in der ulmer wochenblatt-Redaktion Ihnen jede Woche News und Geschichten aus Ulm und Umgebung liefern.

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Das ulmer wochenblatt gibt es natürlich auch in der digitalen Ausgabe.

Natürlich sind wir auch heute schon nicht nur auf Papier zu lesen, auf www.ulmer-wochenblatt.de kann man jede Woche online unsere Artikel nachlesen oder als PDF die gesamte Zeitung auf seinem PC, Smartphone oder Tablet durchblättern. Auch auf Facebook sind wir – hier gibt es regelmäßig Neuigkeiten und Schnappschüsse aus der Region.

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